Glückliche Schweine liefern gesundes Fleisch

Celle (eg). - Hähnchenmastställe waren ein Thema, das die Öffentlichkeit in der Celler Region in den letzten Monaten und Jahren stark beschäftigte.

Sie gehören zu dem Komplex "Massentierhaltungen", in dem es nicht nur riecht, sondern in Bezug auf tiergerechte und umweltschonende Tierhaltung oft zum Himmel stinkt.

Tierschutz beschränkt sich nach Aussagen der Vorsitzenden des Vereins aktiver Tierfreunde nicht nur auf die Vermittlung von ausgesetzten Katzen oder Hunden. Der Verein habe sich bereits mit dem übergreifenden Thema Tiertransporte beschäftigt und wollte mit dem Thema Massentierhaltung neue Denkanstöße für Landwirte und vor allem für die Konsumenten geben.

Was der Tierschutz insgesamt anprangert, ist die "moderne" Viehhaltung. Eingepfercht in viel zu enge Ställe, vollgespritzt mit Wachstumsförderern, computergesteuerte Fütterung, für eine rationelle Kotbeseitigung ungesunde strohlose Spaltböden - das erwartet das Vieh im Rahmen dieser Tierzucht, die dem Betreiber einen geringen Arbeitsaufwand, dafür einen höheren Gewinn bringen soll.

Entzündete Gelenke, Klauenschäden sind die Auswirkungen bei den Tieren, die Daseinsmonotonie führt zwangsläufig zu Verhaltensstörungen und Kannibalismus.

Die Schuld an diesem Dilema trifft letzten Endes weniger die Viehhalter, sondern die Konsumenten. Der Tierschutz: "Immer öfter muss der Züchter zu Medikamenten greifen, um gegen die haltungsbedingten Krankheiten anzuspritzen. Die im Fleisch verbleibenden Rückstände der Medikamente können beim Menschen dazu führen, dass er im Krankheitsfall gegen die Präparate resistent geworden ist". Qualitativ hochwertiges und gesundheitlich einwandfreies Fleisch lasse sich nur durch eine artgerechte Unterbringung und Haltung erreichen. Spritzen, Pillen und Pülverchen seien der denkbar schlechteste Weg.

Die Vorsitzende des Vereins aktiver Tierfreunde, sieht die Aufgabe ihres Vereins zunächst darin, langfristig einen Umdenkungsprozess beim Verbraucher einzuleiten. Lieber weniger, dafür qualitativ besseres, zwangsläufig aber auch teureres Fleisch.

Man werde nicht von allen Landwirten erwarten können, dass sie sich auf diese gesunde Tierhaltung umstellen, aber der Konsument bestimme durch seine Nachfrage das Angebot des Marktes. Auf die Errichtung der in Groß Hehlen geplanten Hähnchenmastanstalt habe der Betreiber inzwischen verzichtet.

Ein kleiner Schritt eines breitgefächerten Problems, bei dem der Verein noch viel Aufklärungsbedarf sieht. Beim finden eines "vorbildlichen" Hofs, der Massentierhaltung betreibt, war man nach längerem Suchen erfolgreich. In einer Gemeinde in der Nähe Hänigsens fand man den "Bio-Hof" Christa Deckers, die hier natürliche Rinder- und Schweinehaltung betreibt. "Natürlich im wahrsten Sinne des Wortes. Die Tiere wachsen in der Herde auf, den Kälbern bleibt der Kontakt zur Familie erhalten. Während der Freilaufsaison leben die Herden auf wildwachsenden Wiesen, im Winter stehn ihnen ein weiträumiger Stall zur Verfügung, in dem Frau Decker alle Erkenntnisse der biologischen Tierzucht umgesetzt hat. "Kalthaltung" bedeutet, keine Heizung, allerdings auch keine Roste, die Tiere stehen auf Stroh, fressen können sie das Heu wenn sie Hunger haben.

Bei den Schweinen ist es ähnlich. Sie leben in großzügigen Freiräumen, auf Wiesen, Tümpeln und in Moorzonen. Das Wort "alternativ" mag Christa Decker nicht hören. 1975 habe sie mit dieser natürlichen Viehhaltung angefangen. Inzwischen hat sie einen Schlachtermeister eingestellt, der die jährlich rund 100 Rinder und 100 Schweine schlachtet, zerlegt, verwurstet und sich darüber hinaus im Hof noch nützlich macht. Ihre Kunden hat sie hauptsächlich im süddeutschen Raum, aber auch in Westdeutschland, teilweise auch in der heimischen Region.

Das Fleisch, das sie verkauft, sei eben frei von jeglichen chemischen Zusätzen wie Hormonen oder Antibiotika. Es würden weder ausländische Futtermittel noch inländische "Kraftfutter" eingesetzt. Aus Gründen der Fleischqualität verzichte man auch auf Gärfutter (Silagen). Das Fleisch wird von ihrem Mann frisch angeliefert, auch die Wurstwaren seien reine "Bio-Produkte" - ohne Bindemittel wie Phosphat und Milcheinweiß, ohne natrium-nitrithaltige Pökelsalze.

Das "große Geld" kann und will Christa Decker mit ihrem Hofe nicht machen. Sie liebe eben Tiere - man sieht´s, denn hier leben Enten, Hühner, Gänse, aber auch Katezn und eine riesengroße Dogge friedlich nebeneinander. "Wir kommen eben über die Runden. Das ganze macht zwar viel Arbeit, aber auch viel Spaß!"

Der Verein aktiver Tierfreunde wird in den nächsten Wochen weitere Beispiele vorbildlihcer Massentierhaltung "aufspüren" und sie der Öffentlichkeit vorstellen. "Ein mühsamer, aber wichtiger Weg, hier eine Bewusstseinsänderung herbeizuführen. Tierquälerei durch Massentierhaltung, eine verseuchte Umwelt und der selbstzerstörerische Verzehr qualitätslosen Fleisches seien ein hoher Preis für ein beruhigendes Wohlstandsgefühl.