Ein kleiner Kater erzählt aus seinem Leben
Hallöchen,
ich bin's Feivel. Hab jetzt einen richtig schönen Namen, auf den ich auch höre.
(Nicht mehr Dummkopf oder so).
Ja ja, man staune. Am besten ich erzähle auch meinen Weg ins Glück von Anfang an:
Die ersten Stunden in meinem neuen Heim waren schrecklich. Nichts was ich kannte, alles so groß, zwei neue menschliche Ungeheuer. Na ja und dann hab ich mich zwischen dem Holz im Kamin versteckt. Da bleib ich eisern sitzen und habe immer gefaucht, wenn die Ungeheuer wieder auf mich zukamen und irgendwas brabbelten. Mit einem Mal ging die Tür nach draußen auf- und was kam da? Etwas schwarz-weißes und es war ein Artgenosse.
Oh, war ich entzückt. Wie ich erst später erfuhr, ist es "Therapie- Kater" Felix. Heiß von mir geliebt und nennt mich auch seinen Schatten. Aber dazu komme ich noch später.
Lange Rede, kurzer Sinn. Man hat mich dann in seinem Zimmer eingesperrt, mir stundenlang die Ohren „vollgeheult“ und als ich das alles nicht mehr ertragen konnte und mein Mitleid für die menschlichen Ungeheuer inzwischen sehr groß war- sind ja gar nicht so schlimm (eigentlich sogar ganz nett), habe ich sie dann auch getröstet und bin auf sie zugegangen. Oh, da war die Freude groß.
Ach ja, von meinem Abstecher wisst ihr ja. Da bin ihn ihnen entwischt, weil Fenny mir die Tür geöffnet hat und dann kam doch tatsächlich meine Ziehmutter Susanne extra angerauscht und hat mich am Schlafittchen gepackt und wieder ins Haus getragen. Unverschämtheit. Ich hätte das auch allein hinbekommen. Von da an lief es aber irgendwie immer besser und ich wurde fast völlig integriert.
Ich sage fast, weil es da noch die Katzendame Fenny gibt. Dame ist allerdings zu viel gesagt, das ist ne alte Ziege!!! Jedes Mal, wenn ich mit ihr schmusen will oder spielen, knurrt und faucht sie mich an. Dabei bin ich so lieb.
Das Doppelbett ist nur für sie reserviert. Ausschließlich Felix wird auf einer Seite geduldet. Aber ich bin ja nicht doof. Wenn sie nicht da ist, lege ich mich natürlich drauf. Das riecht die dann und ist sauer. Erwischt hat sie mich dabei auch mal. Ganze zwei Sekunden hab ich es geschafft, meinen Platz auf dem Bett zu verteidigen, aber ihr könnt euch vorstellen, wenn diese Masse an Katze (ich glaube, die hat immer noch mehr als 5 kg.) sich auf einen wälzt. Nun hab ich auch nicht gerade die Größe eines „Kampfkaters.“
Aber ich glaube im Grunde ihres Herzens hat sie mich doch gern – oder fängt zumindest an –mich zu mögen. Hat sie mir doch geholfen, als mich der riesengroße schwarze Nachbarskater verkloppt hat. Konnte ich gar nicht glauben. Ich hab geschrien wie am spieß und dann tauchte Fenny auf und der Kater ergriff die Flucht. Felix hingegen ist eher männlich, wenn's brenzlig wird, nimmt er die Beine in die Hand und eine Staubwolke ist zu sehen.
Aber Felix ist mein bester Kumpel. Er hat mir geholfen, meine Angst zu verlieren, spielt mit und schmust mit mir. Ist er da, latsche ich ihm permanent hinterher. Geht er zum Fressen, gehe ich mit. Geht er zu Herrchen, gehe ich mit (der sagt dann immer, oh Felix, dein Schatten ist auch wieder da.) und immer so weiter.
Wenn's ihm allerdings zu viel wird, haut er ab. Das macht er immer ganz clever, damit ich ihm nicht folge. Sobald ich mich auch nur einmal wegdrehe, legt er in die andere Richtung einen Spees ein und ist nicht mehr zu sehen. Aber ich nehm's ihm nicht übel, er hat mir schon zweimal eine Maus von seiner Jagd mitgebracht.
Ich selbst fühle mich im eingezäunten Garten am wohlsten. Felix wollte mich mal mitnehmen zum Teich des Nachbarn, wie Häuser weiter, weil Fenny dort jede Menge Goldfische entdeckt hat. Aber ich fühle mich am und im Haus am sichersten. Übrigens hat sie zwei Goldfische mit nach Hause gebracht. Den Kopf abgebissen und eine Schweinerei war das. Glaub Herrchen und Frauchen fanden das nicht so toll. Der Typ, dem der Teich gehört, soll wohl Richter sein und hat einen Jagdhund, mit dem er auf die Pirsch geht. Aber ein Richter weiß doch bestimmt, dass auch Katzen Rechte haben - oder?
Jedenfalls werde ich hier heiß geliebt und aufgrund meiner fröhlichen Art, manchmal auch etwas aufdringlich - geb ich ja zu - immer Kind genannt.
Nur die wollen mich immer auf den Arm nehmen und das will ich nicht. Da habe ich immer noch Angst. Die versuchen's aber immer wieder. Na ja, vielleicht geben die doch noch mal auf.
Ist doch Frauchen letztens mit so einer komischen Spritze mit gelben Zeug hinter mir hergelaufen. Vorher hat sie noch mit Herrchen diskutiert, wie es gehen soll, hab schon gemerkt, dass es um mich geht- bin ja nicht doof. Und dann hat sie mich doch gepackt, zwischen die Beine geklemmt und mich mit dieser Spritze fast umgebracht. Hab mich vor Aufregung verschluckt und bin fast erstickt. Ist doch unmöglich – oder? War ihr richtig böse. Ganze 5 Minuten hab ich es durchgehalten, dran waren wir wieder ein Herz und eine Seele. Denke, sie hat daraus gelernt und wird es nicht wieder machen - oder doch?
Felix döst jetzt auf dem Gartenstuhl.
Oh da kommt Fenny, das grollende Etwas ist nicht zu überhören. Ob die Dicke mal ärgere? –Jaaa ich mach's....Also, habe jetzt keine Zeit mehr (glaube Fenny wird eher mich jagen ...)
Bis die Tage - hoffe euch geht's auch gut, wenn ich's mal zwischenschieben kann, komm ich euch besuchen.
Euer Feivel (März 2004)
PS: Glaube, die dicke Fenny will sich bei Herrchen und Frauchen einschleimen. Erst bleibt sie tagelang weg und eine Riesensuchaktion beginnt und dann steht sie, als wäre nichts gewesen, freudestrahlend wieder in der Küche. Und dann bringt sie doch ihr ganze Beute (und sie ist eine hervorragende Jägerin) mit nach Hause.(viele Mäuse, selten einen Vogel und letztes sogar ein kleines Kaninchen). In einer Nacht hat sie mal drei Mäuse ins Schlafzimmer gebracht. Oh war da Aktion. Ich find das ja immer sehr interessant, bezweifle allerdings, dass sich meine „Herrschaften“ wirklich darüber freuen.
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