Babysitten einmal anders

Im März 1992, ich saß gerade mit meinem alten Kater "Herr Schröder" auf der Couch im Wohnzimmer und führte einige angeregte, etwas einseitige Unterhaltungen, als mich ein Hilferuf eines Mitgliedes des "Verein aktiver Tierfreunde" erreichte.

Zum besseren Verständnis sollte ich mich an dieser Stelle vielleicht erst einmal vorstellen. Ich heiße Elvira Hemme, bin fast 49 Jahre alt und arbeite als gelernte Tierarzthelferin in einer Kleintierpraxis in Celle. Natürlich bin auch ich aktives Mitglied im Verein. "Wir haben ein großes Problem und brauchen deine Hilfe" erklärte mir die Anruferin. "Eine Katzenmutter ist überfahren worden und hat drei 10 Tage alte Katzenbabys zurückgelassen, die vor Hunger jämmerlich schreien. Nirgendwo ist eine Amme aufzutreiben."
Nun war guter Rat teuer. Meine Chefin, übrigens die beste von allen, die ich gleich anrief, meinte, nun sei Flasche geben angesagt. Alle 3 Stunden, auch nachts!!! Dabei hatte ich gedacht, diese Zeit habe ich lange hinter mir.
Flugs besorgte ich mir eine Aufzuchtkiste, ein Heizkissen - Oma hatte eins und musste einstweilen drauf verzichten und viele Handtücher. Katzenbabyflaschen und Aufzuchtmilch hatten wir noch in der Praxis.
Kaum war alles zusammen, erschien die Anruferin mit den 3 brüllenden Katzenbabys. Nach und nach bekam jedes sein Fläschchen und es funktionierte wunderbar. Bald kehrte erst einmal Ruhe ein.

Nach dem Füttern musste ich jedem einzelnen mit einem feuchten Waschlappen das Bäuchlein massieren, was oben hineinkommt, dass muss auch unten wieder raus. Von alleine klappt das nicht, in der Natur ist dafür die Katzenmutter im ihrer Zunge zuständig.
Zu Hause wurde nun kurzerhand ein Zimmer ausgeräumt und zum Katzenbabyzimmer umfunktioniert.
Man hat ja sonst nichts zu tun. Das bisschen Arbeiten vormittags und nachmittags, der Haushalt, der Ehemann, die Tochter und die vier eigenen Katzen - alles nicht so schlimm. Ich hatte ja aktives Mitglied im Verein sein wollen.
Bald gesellte sich zu den "dreien" noch der erst zwei Tage alte "Oskar" hinzu (Bild unten rechts). Er war so klein, wie man auf dem Bild sieht, dass er noch mit der Pipette gefüttert werden musste. Ganz schön stressig das ganze.

Von dem ersten Wurf habe ich die kleine "Sophie" (im Bild oben links" behalten, die anderen wurden an tierliebe Menschen weitervermittelt. Unsere "Sophie" wird demnächst 4 Jahre alt. Im Laufe der letzten Jahre habe ich viele, viele Katzenwaisenkinder auf diese Art großgezogen. Einige von ihnen kommen heute noch zu uns in die Praxis. Vor lauter Freude, mich wieder zusehen fauchen sie mich an und schlagen mit ihren Krallen nach mir.
Aber all das kann eine richtige Katzenfreundin nicht erschüttern, denn ich liebe meine Katzenkinder alle so wie sie sind.
Übrigens hat mein Mann das Katzenzimmer schon wieder hergerichtet. Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Nachwuchs.

Herzlichst

Ihre Elvira Hemme

Diese Geschichte wurde von Elvira Hemme im Jahre 1996 geschrieben. Sie ist heute immer noch aktives Mitglied und hat vielen kleinen Katzenkindern einen guten Start ins Leben ermöglicht.